Ein junger Mann und eine junge Frau im Abendlicht über den Dächern einer Stadt
© Dirk Pudwell

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Geförderte Projekte 2020

Die im Jahr 2020 geförderten Künstlerinnen und Künstler stellen ihre Projekte vor.

Deutsch-Rap - eine Radiosendung bei ByteFM

Fördervolumen: 40.000 Euro
Antragsteller: Henning Kasbohm
Sparte: Musik


Ein junger Mann und eine junge Frau im Abendlicht über den Dächern einer Stadt
© Dirk Pudwell

Projektbeschreibung:
„Deutsch-Rap“ ist ein wöchentliches Radio-Format, das sich primär an Jugendliche wendet. Die Sendung soll den musikalischen Horizont der Zielgruppe erweitern und den HörerInnen helfen, ein Gespür für Meinungsvielfalt innerhalb des Musik-Genres zu entwickeln. Die Radio-Sendung wird sich leidenschaftlich, aber kritisch mit dieser für Jugendliche so bedeutenden Subkultur auseinandersetzen und Alternativen zum erfolgreichen Mainstream aufzeigen. 

HipHop ist in Deutschland die populärste musikalische Jugendkultur mit millionenfachen Streamings. Deutschsprachigen Rap gibt es dennoch im Radio nur selten. Das Interesse an Rap aus Deutschland bei Jugendlichen ist riesig. Populär ist Rap mit oft fragwürdigen Texten und entsprechenden Männlichkeitsbildern samt Verbrecher-Image, frauenverachtenden oder homophoben Texten. Dass es auch anders geht und Deutsch-Rap nicht doof sein muss, wollen wir mit dieser wöchentlichen Sendung zeigen und auch über Inhalte der verschiedenen Interpreten diskutieren. Das jugendliche Publikum soll die Vielfalt des Genres kennenlernen und verschiedene inhaltliche und musikalische Herangehensweisen. Auch über gesellschaftliche Fragen und ggf. auch politische Haltung wollen wir in „Deutsch-Rap“ sprechen, ohne zu belehren. Die sorgfältige Recherche ist hierfür enorm wichtig. Die Sendung soll von einer jungen Frau „aus der Szene" präsentiert werden. Auch, um Frauen als Medienmacherinnen zu stärken und einem im Mainstream-Rap oft sexistischen Frauenbild zu begegnen. Bei der Kuratierung der Musik und der Erarbeitung einer eigenen Ansprache wird sie von erfahrenen ByteFM RedakteurInnen unterstützt.
Homepage:www.byte.fm
Facebook: www.facebook.com/bytefm


Female Decolonisation: The Reenactment of THINGS

Fördervolumen: 95.000 Euro
Antragstellerin: Claude Jansen
Sparten: Performance • Bildende Kunst • Literatur


Impossible Library

Fördervolumen: 74.000 Euro
Antragstellerin: Annika Dorau
Sparten: Literatur • Spartenübergreifend

Innenraum mit Treppe zur Bibliothek und vielen gestapelten Magazinen
© 2020 HEFT

Projektbeschreibung:
Die Impossible Library ist keine Bibliothek.
Die Impossible Library ist Anlauf- und Startpunkt für öffentliche und individuelle Denkprozesse: in vier Residencies und mehr als 20 Veranstaltungen wird die Praxis des Publizierens explizit als Austauschformat verstanden, um gesellschaftliche Fragen öffentlich zu diskutieren.

Ob Literatur, Fotografie, Reportage, Grafik oder Architektur, abgedruckt in Zines, Magazinen oder Kunstpublikationen – das Veröffentlichen von Ideen und Gedanken wird in der Impossible Library konkret umgesetzt: In Residencies werden von Künstler*innen aus einem Sammlungsbestand von über 1000 Heften zehn bis zwanzig Publikationen zu Handapparaten zusammengestellt. Die Handapparate dienen als Plattform für den kontinuierlichen Austausch von internationalem und lokalem Fachpublikum mit der Öffentlichkeit.

Die Impossible Library ist eine Werkstatt.

Magazine, Zines und Kunstpublikationen schweben zwischen klassischem Buch und oraler Kultur und leisten gleichzeitig wichtige Beiträge zu einem künstlerischen und wissenschaftlichen Diskurs. Sie verkörpern subkulturelles Rebellentum und können ad-hoc auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren.

Den Startpunkt für die Impossible Library bildet die Zusammenlegung der Sammlungen unabhängiger Magazine internationaler Autorinnen von HEFT und Die Brueder. Die ca. 150 Publikationen des HEFT Archivs kreisen thematisch um die Stadt und das Leben in ihr. Das Indiemags-Archiv von Die Brueder ergänzt den Bestand mit über 1000 Magazinen aus Literatur, Kunst, Pop-Kultur und Fotografie. Da es sich um unabhängige Publikationen im Magazin- und Zine-Bereich handelt, sind viele der Hefte außerhalb der freien Szene nur sehr selten einsehbar oder gar nicht erhältlich. Die Impossible Library wird somit zum Kontaktfeld zwischen direkter Nachbarschaft, interessierten Hamburger*innen und internationalen Künstler*innen.

25m2 in der Waterloostraße 43, Hamburg werden zur öffentlichen Denk-Werkstatt, zur Impossible Library. Sie erschließt sich über drei Zugänge: über ein Residency-Programm, über öffentliche Veranstaltungen und über allgemeine Öffnungszeiten. Diese drei Zugänge sind ihrerseits nur Anstöße mit der scheinbaren Unmöglichkeit dieser (und jeder anderen) Sammlung umzugehen.
Wir laden Hamburger und internationale Künstler*innen, Autor*innen und Gruppen ein in und mit der Impossible Library zu arbeiten. Aus jeder Zusammenarbeit entstehen kleine oder große Arbeiten, die temporär Teil der Impossible Library sind und in Lesungen, Gesprächen oder Performances der Öffentlichkeit präsentiert werden.
Die Impossible Library und die entstandenen Arbeiten sind durch wöchentliche Öffnungszeiten zugänglich

Die Impossible Library ist ein Projekt von Die Brueder Publishing (Annika Dorau, Urs Spindler, Malte Brenneisen, Malte Spindler, Martin Kaumanns) in enger Kooperation mit HEFT (Ina Römling, Torben Körschkes).
Weitere Informationen:
https://impossiblelibrary.com/de
www.indiemags.de
www.diebrueder.com
instagram: impossiblelibrary


Meyer&Kowski zeigt: Das Missverständnis von der Welt

Fördervolumen: 75.000 Euro 
Antragstellerin: Susanne Reifenrath
Sparten: Theater • Performing Arts


Who’s Afraid of Raimunda | Queer Iberia (AT)

Fördervolumen:  50.000 Euro
Antragsteller Josep Caballero Garcia
Sparten: Tanz • Performance Arts

Ein Junge mit Tutu und ein Mädchen im Kleid tanzen zusammen
© Josep Caballero Garcìa

Projektbeschreibung:
Dem Namen nach ist Raimunda wohl eine Frau. Aber eigentlich ist sie eine allegorische Figur, für die Historie verborgener, unsichtbarer, vom Patriarchat oder von anderen Machtgefügen in den Schatten gestellter Identitäten. 

Mit WHO´S AFRAID OF RAIMUNDA greifen der Choreograph Josep Caballero Garcia  und sein Team auf literarische und musikalische Versatzstücke aus dem mittelalterlichen Iberia zurück, welche dem hedonistischen Wunsch nach einem sowohl religiösen, als auch sexuellen, freien Leben nachgehen. Was sich allerdings zu Anfang der Recherche als eine mögliche Utopie las, erwies sich als ein zwar homosexuelles aber nicht minder partriarchalisches Beziehungskonzept, in dem Frauen nicht vorkommen. 

Also ist WHO´S AFRAID OF RAIMUNDA dem Vorkommen gewidmet, wer auch immer Raimunda sei. Für Josep Caballero Garcia verkörpert sie den lustvollen Widerstand gegen repressive Macht- und Ausgrenzungsmechanismen. In seinen Lüneburger, Hamburger und Berliner Versionen werden Alle Raimunda sein: Die Performer*innen werden aus historischen Fakten neue Optionen entwerfen und tradierte Bilder und Rollen unserer kulturellen Körper re-konfigurieren. 

Auch mit seiner neuen Arbeit wird Josep Caballero Garcìa zusammen mit den Komponisten Thomas Dorsch und Alexandre Maurer, sowie 12 Musiker*innen der Lüneburger Symphoniker und den Performer*innen Lea Martini, Enis Turan, Göksu Kunak aka Gucci genreübergreifend arbeiten und eine choreografische, wie musikalische Intervention an den jeweiligen Häusern aufführen.

Website: www.josepcaballero.de
Facebook: www.facebook.com/www.josepcaballero.de
Instagram: queere_kreuzzuege


„Die Pforte“ | „The Portal / Das Portal“ (AT) 

Fördervolumen: 102.100 Euro
Antragstellerin: Ellen Blumenstein
Sparte: Kunst im öffentlichen Raum

Eine künstlerische Recherche über Eingänge, Zugänge, Durchgänge, Übergänge entlang ehemaliger Kontrollpunkte zum Hamburger Freihafen.
Projektbeschreibung:
Der markante Slogan vom „Tor zur Welt“ prägt das Selbstbild der Hanseaten ebenso wie er die Stadt werbewirksam für den internationalen Tourismus vermarktet. Die heute damit selbstverständlich assoziierte Verbindung zu globalem Seehandel und Weltoffenheit stammt allerdings von den Werbestrategen des 3. Reiches; davor bezog sich das wirkmächtige Sinnbild auf St. Paulis „Unterwelt“ vor den Toren der Stadt. 

In jedem Fall versinnbildlicht das Tor transformative Momente, egal ob dabei etwas zurückgelassen oder aufgegeben werden soll, es dient als Projektionsfläche für an die andere Seite gebundene Erwartungen von Freiheit und Abenteuer, Intensität, Lebendigkeit, hier wird kontrolliert, wer zu welchem Preis hinein oder hinaus darf.

Der von einer mobilen interaktiven Website begleitete Ausstellungparcours Die Pforte initiiert künstlerische Annäherungen an unbewusste Bestandteile des wirkmächtigen Imagegebers und setzt unterschiedliche Vorstellungen der Stadt als Eingang, Zugang, Durchgang oder Übergang entlang ehemaliger Kontrollpunkte zum Hamburger Freihafen ins Bild. 

Im Dialog mit historischen Zollhäusern und anderen Standorten machen die sechs für diesen Anlass entstehenden Projekte Hafen- und Handelsgeschichte an originalen Schauplätzen sichtbar und spüren deren Auswirkungen auf das Selbstbild der Hamburger nach: Sie folgen den Geschichten unabsichtlich durch die Frachtschiffe immigrierter Flora; sie reflektieren das transformative Potential des Portals in performativ-philosophischen Lecture Performances; geben Einblick in die mit der Intensität des Seefahrerlebens phantasmatisch aufgeladene Tätowierkunst; unterwandern die Bildsprache von Marketingstrategen, um andere Bilder der Stadt in Umlauf zu bringen; lassen einen Eingang durch eine weibliche Garde bewachen und öffnen virtuelle Tore in die je nach Blickwinkel sehnsüchtig erwartete ideale oder apokalyptisch gescheiterte, fiktive Partnerstadt California City. 

Mit Marc Bijl, Liesel Burisch, Franziska Nast, Dennis Rudolph, Daniel Tyradellis.


TRANSGENERATOREN: das Festival für transgenerationelle Kunst (AT)

Fördervolumen: 86.000 Euro
Antragstellerin: Gundula Hölty
Sparten: Performance • Live Art • Partizipation • Kunst im öffentlichen Raum 

TRANSGENERATOREN ist das erste und einzige Festival transgenerationeller Kunst.

Bild von einem Mädchen und zwei Tafeln. Auf denen steht Adults (Erwachsene) und Kids (Kinder)
© Fundus Theater - Forschungstheater TRANSGENERATOREN ist das erste und einzige Festival transgenerationeller Kunst. Es wird über den Elbkulturfonds gefördert.

Projektbeschreibung:
Nachdem sich in den szenischen Künsten der 1970er bis 1990er Jahren eine eigenständige „Kinderkultur“ etablieren konnte, werden in den letzten Jahren Stimmen laut, die die Trennung der Kulturen nach Generationen in Frage stellen. In Europa und der Welt entstehen Projekte und Produktionen, die die Ordnung der Dinge durcheinanderbringen, Kinder entdecken neue Ausdrucksformate im digitalen und im öffentlichen Raum für sich und meistern sie in einer Weise, von denen die Erwachsenen lernen könnten.

Transgenerationelle Kunst entsteht als Kritik an tradierten Macht- und Produktionsverhältnissen im wachsenden Feld der kulturellen Bildung. Sie entsteht, wo die Performancekunst erstmals Kinder als Publikum und künstlerischen Nachwuchs für sich entdeckt, und umgekehrt – die Kinder die Performancekunst. Immer öfter nutzen Kinder und Erwachsene künstlerische Strategien, um die binäre Differenz Kind/Erwachsener zu hinterfragen. Dies geschieht vor dringendem politischem Hintergrund: Nicht nur sind Kinder weit überdurchschnittlich von Armut betroffen, sie sind „die letzte legal diskriminierte Minderheit“ (Darren O’Donnel).

Dass Kinder und Erwachsene gemeinsam besser forschen können, ist Ausgangspunkt der transgenerationellen Arbeit im FUNDUS THEATER | Theatre of Research, das damit europaweit eine Führungsrolle eingenommen hat. Als erstes Festival für transgenerationelle Kunst will TRANSGENERATOREN die beschriebene Entwicklung zeigen, sie mit einem transgenerationellen Hamburger Publikum teilen und voranbringen. Gemeinsam mit dem FUNDUS THEATER | Theatre of Research und Kampnagel lädt der PROFUND Kindertheater e.V. aktuelle Arbeiten und Projekte aus fünf verschiedenen Ländern ein, die das Verhältnis der Generationen befragen und Kinder und Erwachsene auf neue Weise zusammenbringen. Sie machen dafür gemeinsame Sache mit der Live Art Development Agency London und Live Art Denmark, zwei Organisationen, die in ihren Länderkontexten in gleicher Mission tätig sind.

Alle Projekte des Festivals sind partizipativ konzipiert und bieten Raum für intensive Erkundungen ebenso wie für Stippvisiten. Das Programm organisiert sich in drei Schwerpunkte: Forschung, Spiel und Versammlung.